Alles aus einer Hand: Auto plus Kfz-Versicherung

Sonntag den 4.03.2012

Modell, Farbe, Motorisierung – beim Autokauf überlassen die Deutschen nichts dem Zufall und investieren viel Zeit, ehe ein neuer Wagen in der Garage steht. Deutlich schneller und möglichst ohne Umwege wird dann das Thema Kfz-Versicherung abgehakt. Dieser Trend kommt Händlern und Herstellern zugute. Sie verkaufen zum Auto gleich das Mobilitätspaket inklusive Autoversicherung und Serviceleistungen. Alles aus einer Hand, alles in einem Abwasch. Ob es wirklich die beste Lösung ist, steht auf einem anderen Blatt.

Dass immer mehr Kfz-Versicherungen über Autohändler an den Mann und die Frau gebracht werden, ist unverkennbar. Alleine Daimler hat im vergangenen Jahr insgesamt 940.000 Policen vermittelt. Bei VW fährt jeder vierte Neuwagen samt Autoversicherung vom Hof. Einige Unternehmen aus der Versicherungsbranche sehen es als Chance. Dafür nehmen sie unter anderem in Kauf, dass die Hersteller die Bedingungen diktieren, inklusive der Provisionen. Besonders stark auf diesem Vertriebskanal vertreten ist die Allianz. Auch Zurich, Axa und HDI-Gerling mischen mit.

Ganz frisch ist der Kooperationsvertrag zwischen Volvo und der Talanx-Tochter HDI Direkt. Sie haben den seit 2010 bestehenden Vertrag erneuert. Ab sofort ist der Vertriebspartner der deutschen Importgesellschaft von Volvo auch Versicherungsvertreter für HDI. Gegenüber der „Financial Times Deutschland“ brachte Norbert Hergenhahn, Vertriebsvorstand von HDI Direkt, den Grund für die Zusammenarbeit auf den Punkt: „Autokäufer wollen schnelle und unkomplizierte Mobilität direkt am Point of Sale.“ Wenige Tage vorher verglich Talanx-Chef Heinz-Peter Roß die Versicherer bereits „als Zulieferer der Autohersteller“.

Dass sich der Vertrieb immer mehr Richtung Autohandel verschiebt, schmeckt nicht allen Mitspielern am Markt. Die HUK-Coburg hatte zwar Kontakt zu einigen Herstellern. „Dabei zeigte sich, dass die Autohersteller Konditionen erwarten, die nicht mit unserem Geschäftsmodell vereinbar waren“, so HUK-Coburg-Vorstand Klaus-Jürgen Heitmann. Er befürchtet, dass die Kfz-Branche nach der Kfz-Finanzierung nun auch die Kfz-Versicherung unter ihre Kontrolle bringen will. Das hieße für die Assekuranzen, dass sie fast ausschließlich im Hintergrund und längst nicht mehr als Marke agieren. Dadurch ginge der Kundenkontakt auf Dauer flöten.